Ernährungsberatung 


Klaus Storm 
Apotheker für Klinische 
Pharmazie 
und 
Ernährungsberatung

Gerinnungshemmer: Gibt es eine Spezial-Diät?

Richtig ist: vollwertig, ausgewogen und ohne plötzliche Änderungen

Durchblutungsstörungen,Arterienverkalkung oder Thrombosen werden mit Medikamenten behandelt, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes verringern. Dadurch lassen sich gefährliche Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vermeiden, weil das Blut leichter durch die verengten Gefäße fließen kann. Bei den meisten Patienten ist die Behandlung mit solchen Gerinnungshemmern eine Dauertherapie.

Welche Rolle spielt das Vitamin K?

Die Blutgerinnung ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem viele einzelne Schritte in einer festgelegten Reihenfolge ablaufen. Diese einzelnen Schritte werden durch so genannte Gerinnungsfaktoren gesteuert. Und bei der Bildung einiger dieser Gerinnungsfaktoren spielt das Vitamin K eine herausragende Rolle. Wenn Vitamin K fehlt, können die betreffenden Gerinnungsfaktoren vom Körper nicht hergestellt werden. Im schlimmsten Fall läuft dann die Blutgerinnung nicht mehr korrekt ab und es kommt zu Blutungen in verschiedenen Organen.

Wo kommt Vitamin K vor?

Besonders reich an Vitamin K sind grüne Pflanzen, aber auch Fleisch, (fettreiche) Milchprodukte und manche Obstsorten. Geringe Mengen Vitamin K finden sich in nahezu allen Lebensmitteln. Außerdem können bestimmte Bakterien im menschlichen Darm selbst Vitamin K herstellen und tragen damit zur Versorgung des Körpers bei. Vitamin-K-Mangel tritt daher bei erwachsenen Menschen nur sehr selten auf.

Weil Vitamin K sich in Fett viel besser löst als in Wasser, kann der Körper es aus sehr fettarmer Nahrung nur schwer aufnehmen. Der Fettgehalt einer normalen deutschen Mischkost ist aber für den Vitamin-K-Haushalt gut ausreichend!

Vitamin K und die Gerinnungshemmer

Die in Deutschland am häufigsten eingesetzten Gerinnungshemmer wirken als Gegenspieler des Vitamin K. Bei der Bildung der Gerinnungsfaktoren bremsen sie genau die Schritte, die Vitamin K fördert.

Die Dosierung der Medikamente wählt Ihr Arzt nun gerade so hoch, dass bei einer normalen Vitamin-K-Menge in Ihrer Nahrung die Blutgerinnung in dem gewünschten Ausmaß gehemmt wird. Wenn Sie nun plötzlich Ihre Ernährung umstellen und sehr viel mehr oder auch deutlich weniger Vitamin K zu sich nehmen, dann verändert sich auch Ihre Blutgerinnung.

Worauf sollten Sie achten?

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Ihre Ernährung in irgendeiner Weise ändern. Besonders gilt das, wenn Sie auf vegetarische Kost umsteigen oder eine gemüsereiche Abmagerungsdiät durchführen möchten. Auch eine Umstellung auf sehr fettarme Kost kann den Vitamin-K-Spiegel in Ihrem Blut verändern, weil Vitamin K fettlöslich ist und der Körper es daher nur im Beisein von Fett aufnehmen kann.

Vermeiden Sie zu große Schwankungen im Verzehr von Salat und Gemüse. Am besten, Sie orientieren sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und essen abwechslungsreich und vollwertig. Übrigens empfiehlt die DGE 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag!

Weisen sie Ihren Arzt unbedingt darauf hin, wenn Sie wegen einer Erkrankung Antibiotika einnehmen müssen. Denn diese können Ihre Darmflora schädigen, die ja für die Vitamin-K-Versorgung Ihres Körpers sehr wichtig ist.

Auch auf frischen Waldmeister (Maibowle) und Tonkabohnen sollten Sie besser verzichten, weil diese Lebensmittel die Wirkung Ihrer Medikamente verstärken.

Dann steigt die Gefahr von Blutungen.

Vitamin-K-reiche Lebensmittel

Fleisch                       Innereien (Leber), ferner Muskelfleisch von Rind, Kalb, Schwein

Nährmittel                 Roggenvollkorn, Weizenvollkorn, Kleie, Weizenkeime, Sojamehl

Fett                             Traubenkernöl, Maiskeimöl

Milchprodukte            Fettreiche Milchprodukte, z. B. Quark 40 %, Sahne, fette Käsesorten, Sahnejoghurt etc.

Eier                            Eigelb

Gemüse                     vor allem Rotkohl und Sauerkraut, ferner Linsen, Rosenkohl, Spinat, Blumenkohl, Weißkohl und andere Kohlarten, Broccoli und anderes grünes Gemüse, weiterhin Knollensellerie, Sprossen- und Lauchgemüse, Sojabohnen, Bohnen, Erbsen, Tomaten, Zwiebeln, Pilze (Pfifferlinge, Butterpilze, Steinpilze), Salat

Obst                           Kern-, Stein- und Beerenobst, Südfrüchte (außer Zitrusfrüchte)

Gewürze                    Kräuter (z. B. Kresse, Petersilie, Schnittlauch, Dill, Pfefferminze, Basilikum, Estragon, Beifuß, Oregano), Suppengrün, Paprika, Wacholder, Knoblauch

Sonstiges                  Sojaerzeugnisse

 

Vitamin-K-arme Lebensmittel

Fleisch                       Mageres Fleisch von Pferd, Ziege, Hase. Geflügel, Wild

Nährmittel                 Cornflakes, Teigwaren (auch Vollkorn), Buchweizen, Hirse, Reis

Fett                             Erdnussöl, Sojaöl (!), Sonnenblumenöl

Milchprodukte            Magere Milchprodukte, z. B. Magerquark, Magerjoghurt, fettarme Käsesorten, etc.

Eier                            Eiklar

Gemüse                     Nahezu alle Gemüsesorten sind reich an Vitamin K. Relativ geringe Mengen sind enthalten in Roten Beeten, Senfgurken, Kürbis, Zucchini und Paprika

Obst                           Birnen, Quitten, Äpfel, Grapefruits, Orangen, Mandarinen

Gewürze                    Die meisten Kräuter enthalten viel Vitamin K. Relativ Vitamin-K-arm sind Bohnenkraut, Lorbeer, Majoran, Rosmarin, Thymian und Salbei.

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Klaus Storm 2001-09